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KARDIOLOGIE - Dr. med. Caroline Berndt

Interview mit Frau Dr. med. Caroline Berndt

In diesem Interview lernen Sie den Blickwinkel von Frau Dr. Berndt zum Thema Vorsorge und Nachsorge, sowie zur Differenzierung bzgl. Kassenpatienten und privat Versicherten kennen,
sowie welchen Schwerpunkt Dr. Berndt auf den Einzelkontakt mit dem Patienten unabhängig von Zahlungsregelungen legt.
Viel Freude beim Lesen.

Frau Dr. Berndt seit wann gibt es Ihre kardiologische Praxis hier in Aschaffenburg?

Die Praxis an sich gibt es bereits viele Jahre. Sie war die erste kardiologische Praxis in Aschaffenburg. Nachdem mein Vorgänger sich zur Ruhe setzen wollte, bin ich 2013 in die Praxis miteingestiegen, seit 01.04.2014 leite ich die Praxis alleine.

Wie setzt sich Ihr Patientenstamm zusammen und was können Sie zum Thema „Versorgung der Patienten“ und deren Wünsche sagen?

Ähnlich wie in anderen Praxen überwiegen natürlich die gesetzlich versicherten Patienten. Das ist logisch, denn bundesweit betrachtet, sind das ungefähr 92% der Bevölkerung.
Was die Versorgungsleistung angeht, ist es eine Frage des Blickwinkels. Betrachtet man den Bereich der „Nachsorge“, also die Versorgung von Patienten, die bestimmte Veränderungen bezüglich des Herzens bereits haben, dann ist diese als sehr gut zu bewerten.
Solche Herzveränderungen sind klassischerweise z.B. die Folge von Herz-Operationen, wie z. B. nach Erhalt einer künstlichen Herzklappe, eine Bypass-Operation, einem Schrittmacher oder aber chronische Herzerkrankungen, wie Veränderungen an den Herzkranzgefäßen, Bluthochdruck, eine Herzschwäche oder ein angeborener Herzfehler.

Im Bereich der „Vorsorge“ bin ich bzgl. der gesetzlich versicherten Patienten darauf angewiesen, dass die Hausärzte in entsprechenden Verdachtsmomenten oder ganz konkreten Hinweisen dem Patienten eine Überweisung zum Kardiologen geben. Auf dieser Basis darf ich für das Gesundheitswohl des Patienten aktiv werden.
Die Untersuchungsergebnisse werden dann immer vor Ort mit dem Patienten besprochen und der Hausarzt wird umgehend über die Befunde und die empfohlene weitere Vorgehensweise schriftlich informiert.
Etwas problematisch – aus Sicht der gesetzlich versicherten Patienten ist es, wenn der Patient selbst aus eigenem Verdacht – bestimmte Dinge könnten nicht in Ordnung sein – selbst aktiv einen Termin ohne vorherige Überweisung vom Hausarzt bei uns vornimmt.
Hier darf ich bestimmte Untersuchungen aufgrund der Vorgaben der Krankenkasse (, die sich wiederum am Bundessozialgesetz orientieren) nur als Selbstzahlerleistung anbieten.
Das ist eine Grundsatzregelung der Kassen. Dieser Punkt ist derzeit nicht verhandelbar.

Wird diese Selbstzahler-Option genutzt?

Wer selbst eine Art „Vorsorge“ betreiben will und eben nicht privat versichert ist, wird darum nicht herumkommen. Es ist ein bisschen vergleichbar wie bei den Zahnarzt-Ersatzleistungen z. B. bei einer professionellen Zahnreinigung/ Zahnsteinentfernung, der Nutzung bestimmter Kunststoff-Füllungen oder dem Nutzen von Zahn-Implantaten. Hier zahlt der Kassenpatient privat alles oder einen Teil hinzu. So oder so wird dieses Vorgehen immer vorher transparent besprochen.
Allmählich beginnen die Menschen, denen es wichtig ist, diese Bereiche selbstzahlend in die Hand zu nehmen.
Tendenziell ist es in der Kardiologie aber noch nicht so „verbreitet“ wie im Bereich der Zahngesundheit.

Was ist unabhängig von der Kassensicht ein wichtiger Schwerpunkt Ihrer Arbeit mit den Patienten?

Wir bekommen regelmäßig sehr gutes Feedback darüber, dass unsere Patienten im Schnitt maximal 15 Minuten im Wartezimmer sind bevor sie zu Ihren Termin gerufen werden.
Neben dieser effizienten Terminstruktur, wird das Praxisteam als freundlich und zugewandt wahrgenommen.

Mein eigener Schwerpunkt ist die gründliche Beratung und das Gespräch mit meinen Patienten, dass auch einen gewissen Tiefgang erreichen darf.
Ich nehme mir für jeden Patienten mindestens 20 bis 30 Minuten Zeit, damit einerseits ich genau verstanden habe, wo dem Patienten „der Schuh drückt“. Andererseits möchte ich unbedingt, dass der Patient, wenn er aus dieser Praxis geht, sagen kann „diese Ärztin hat mir zugehört, sie hat mich verstanden, mich ausreden lassen und mir genau erklärt, was getan werde muss, damit ich möglichst herzgesund werde und bleibe“.
Diese Vorgehensweise bedeutet auch, dass wir nicht in der Lage sind und sein wollen, so viel wie möglich Patienten am Tag „durchzuschleusen“, sondern Patienten so gut wie es in unserem Sozialsystem nur möglich ist zu behandeln. Das überrascht viele.

Bedeutet das im Umkehrschluss, dass privat Versicherte es viel einfacher haben Ihre Herzgesundheit zu bewahren?

Das mag ich nicht beurteilen. Fakt ist, die Privatkrankenkassen zahlen in aller Regel auch Vorsorgeuntersuchungen, wenn diese auf das Patientengespräch bezogen sinnvoll erscheinen.
Für mich sind die Patienten am Ende Menschen, die ein gutes und gesundes Leben führen wollen. Und insbesondere nach/bei Herzerkrankungen eine regelmäßige und qualitativ hochwertige Betreuung brauchen. Für mich gibt es da keine 2-Klassenmedizin.

Gibt es noch etwas, dass wir nicht angesprochen haben?

Spannend ist für meine Patienten mein beruflicher Hintergrund. Vor meiner Praxisniederlassung war ich über 20 Jahre in großen Kliniken und Herzzentren tätig. Ich konnte - u.a. als Oberärztin der kardiologischen Intensivstation im Herzzentrum Bad Oeynhausen - unendlich viele Erfahrungen im Bereich der Kardiologie, der Intensivmedizin, im Rettungsdienst und der gesamten Inneren Medizin sammeln.

Während meiner Tätigkeit im Alfried-Krupp-Krankenhaus als „Fachfrau für Herzrhythmusstörungen“ habe ich auch viele Manager und Politiker begleitet im Bereich der reinen Vorsorgemedizin. Wir haben im Krupp-Krankenhaus ein sehr gutes „Check Up – Programm“ angeboten, dass namhafte Firmen ihren Managern zur Verfügung gestellt haben.

Das bedeutet, dass Sie auch für Firmen eine Art „Sonderprogramm“ anbieten und separat abrechnen können?

Ja, das biete ich hier auch an. Diese Firmen nutzen diese Vorsorgeuntersuchungen insbesondere dafür, Ihrem Personal eine Art Zusatznutzen zu geben.
Das machen die Firmen nicht, weil sie so super nett sind, sondern weil man inzwischen erkannt hat, dass es für die Firmen wesentlich kostengünstiger ist, ihren Mitarbeitern Vorsorgeuntersuchungen zu bezahlen, als mit Krankheitstagen ungeplant umgehen zu müssen. Firmen, die regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen anbieten, haben nachweislich weniger kranke Mitarbeiter.

Was hat es mit dem Bereich „Psychokardiologie“ auf sich?

Wie kann die Psyche direkt mit dem Herzen in Verbindung gebracht werden?

Die Psychokardiologie ist in der westlichen Welt noch ein junger Bereich in der Medizin. Im fernen Osten käme kein Arzt und kein Patient auf die Idee, dass man Körper und Seele/Psyche komplett voneinander trennen kann.

In der westlichen Welt hat man das lange Zeit gedacht. Aber nun ist man zum Glück auch hier dahintergekommen, dass körperliche Beschwerden und z. B. Ängste und Sorgen oft miteinander verquickt sind.
Ängste, Stress und Sorgen können Herzbeschwerden machen und umgekehrt können Herzerkrankungen zu Ängsten und Sorgen führen.
Genau diese spannende Schnittstelle betrachtet die Psychokardiologie.

Der Mensch wird in Bezug auf seine Herzerkrankung „ganzheitlich gesehen“. Von einem Kardiologen und einem Psychologen in einer Person: dem „Psychokardiologen“.
Wir betrachten hier in der Praxis nicht nur isoliert die Herzklappen oder die 3 Herzkranzgefäße, sondern den ganzen Menschen in seinem sozialen Gefüge. Ich glaube, dass man eigentlich nur so eine gute Medizin machen kann. Daher habe ich zu meiner medizinischen Aus- und Weiterbildung zusätzlich eine lange Ausbildung im Bereich der Psychokardiologie gemacht.


Vielen Dank für das Telefoninterview
und weiterhin viel Freude & Erfolg mit Ihren Patienten.
M. Heyne. (06.09.2018)

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